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Ted Lasso – Führung, die man fühlt!

Ted Lasso: Warum mich eine Fußballserie über Führung so gefesselt hat.
Manche Empfehlungen versteht man erst Jahre später. Diese hier kam aus Charleston, ca. zwei Jahre nachdem ich dort für 5 Jahre tätig war.
Meg Lanza (externer Link, öffnet in neuem Tab), eine damalige Kollegin und mittlerweile Freundin, sagte zu mir: „Peter, du musst dir Ted Lasso anschauen. Der erinnert mich irgendwie an dich als unseren Werkleiter.“
Ich war erst mal verwundert. Ein amerikanischer Football-Coach, der plötzlich einen englischen Fußballclub trainiert – was sollte das mit mir zu tun haben? Ich habe trotzdem angefangen, auf Englisch, mit der ersten Staffel. Und ehrlich gesagt: Vieles habe ich nicht verstanden. Der britische und amerikanische Humor, die Wortspiele und Anspielungen – vieles ging an mir vorbei. Mein Urteil damals: ein bisschen quatschig, passt nicht zu mir. Ich habe aufgehört.
Dieses Jahr (2026) kam die Empfehlung noch einmal. Inzwischen gibt es vier Staffeln, die erste lief im August 2020 bei Apple TV+ an. Diesmal habe ich auf Deutsch geschaut. Und es hat mich gepackt wie lange keine Serie mehr.
Worum es geht
Ted Lasso (externer Link, öffnet in neuem Tab), Football-Coach aus Kansas, übernimmt den AFC Richmond in der Premier League in England. Vom Fußball hat er kaum Ahnung. Das klingt nach Komödie, und lustig ist es auch. Aber vor allem ist es eine der genauesten Studien über Führung, die ich kenne. Nicht wegen großer Reden, sondern wegen der vielen kleinen Gesten. Und weil Ted kein Held ohne Fehler ist, sondern ein Mensch mit Höhen und Tiefen – genau wie die Figuren um ihn herum.
Sieben Dinge habe ich für mich mitgenommen.
1. Schau auf die, die leise sind
Nate ist zu Beginn der Zeugwart, ganz unten in der Hierarchie. Dabei versteht er mehr von Taktik als die meisten im Verein. Als er zaghaft eine Idee andeutet, redet er sie sofort selbst klein. Viele Führungskräfte würden ihn jetzt beruhigen oder einfach weitermachen. Ted stellt eine Frage: Glaubst du, dass die Idee funktioniert?
Damit legt er das Urteil zurück in Nates Hände. Nate muss selbst an seine Idee glauben. Ted hört zu, gibt ihr eine Chance – und als die Presse fragt, wessen Idee das war, nennt er Nate. Er gibt ihm sogar einen Spitznamen: „Nate the Great“. Aus dem unsichtbaren Zeugwart wird jemand, dessen Ideen zählen.
Die Kommunikationstrainerin Shannon Jenkins (externer Link, öffnet in neuem Tab) beschreibt in ihrer YouTube-Analyse „Why Ted Lasso Is Such an Effective Leader“ (externer Link, öffnet in neuem Tab) (siehe auch unten) sehr schön, was viele Führungskräfte stattdessen tun: Sie sagen „Meine Tür steht immer offen“, stellen Fragen am Ende eines Meetings in die Runde – und wenn niemand etwas sagt, gehen sie davon aus, dass es nichts zu sagen gibt. Ted geht weiter. Er lädt die Leisen aktiv ein. Genau daraus entsteht psychologische Sicherheit. Das Video lohnt sich, wenn du die Szenen im Original sehen willst.
2. Glaube kommt von innen
In der dritten Staffel steckt Richmond in der Krise. Niederlage folgt auf Niederlage, und der Superstar, auf den sich alle verlassen haben, beendet seine Karriere. Ted macht etwas Überraschendes: Er zerreißt sein berühmtes „BELIEVE“-Schild, das Symbol seiner ganzen Philosophie.
Der Grund: Die Spieler haben ihren Glauben an etwas außerhalb von sich gehängt – an einen Spieler, an ein Schild. Ted holt ihn zurück nach innen. Er benennt erst, was gerade wirklich in den Köpfen ist: Neid, Angst, Scham. Und erst dann führt er das Team Schritt für Schritt Richtung Hoffnung: Ich bin wichtig. Ich kann besser werden. Wir können besser werden.
Für mich ist das eine Lektion für Veränderungsprozesse. Wie oft beginnt eine Change-Kommunikation mit „Wir freuen uns sehr über diese Transformation“, während das Team frustriert ist, weil Monate an Arbeit gerade umsonst waren? Ted holt die Menschen da ab, wo sie stehen. Er ruft nicht vom anderen Ufer „Kommt rüber!“, er geht den Weg mit.
3. Freundlich ist nicht dasselbe wie nett
Ted wird oft als „der Nette“ missverstanden. In der vierten Staffel zeigt sich, dass das zu kurz greift. Eine Trainerin in seinem Stab lässt ihren Frust immer härter an den Spielerinnen aus. Ted hat sie schon darauf angesprochen, sie ignoriert es. Also sperrt er sie für ein Spiel.
Kein Wutausbruch, keine Bloßstellung, kein langer Vortrag. Klar, fest – und trotzdem warm. Diese Kombination ist viel schwerer, als einfach nett zu sein. Psychologische Sicherheit heißt eben nicht, dass alles erlaubt ist. Menschen müssen sich trauen, zu sprechen, zu widersprechen und Fehler zu machen. Sie müssen aber auch wissen, wo die Grenzen sind. Genau dieses Zusammenspiel von Sicherheit und Verantwortung habe ich in meinem Beitrag zu „Psychologische Sicherheit ist die Basis. Accountability ist die Arbeit" beschrieben.
4. Neugierig statt wertend
Eine meiner Lieblingsszenen spielt im Pub. Teds Gegenspieler fordert ihn zum Darts heraus und hält ihn für einen Trottel. Ted gewinnt – und erklärt dabei, dass ihn sein Leben lang Menschen unterschätzt haben. Hätten sie ihm Fragen gestellt, statt ihn vorschnell zu beurteilen, wären sie klüger gewesen. Sein Motto: „Be curious, not judgmental.“
Für mich ist das der Kern guter Führung: erst fragen, dann urteilen. Und ehrlich gesagt erwischt mich der Satz auch selbst. Mein erstes Urteil über die Serie war „quatschig“. Ich war nicht neugierig genug.
5. Auch der Coach darf wanken
Ted ist nicht nur der Optimist mit dem Keks für die Chefin. Er hat Panikattacken, er kämpft mit seiner Scheidung, und er tut sich lange schwer damit, sich von der Teampsychologin helfen zu lassen. Gerade das macht ihn glaubwürdig.
Führung beginnt bei dir selbst. (externer Link, öffnet in neuem Tab) Wer andere stärken will, muss auch auf sich achten – und darf sich Hilfe holen, dass ist ein Zeichen von Stärke.
6. Förderung kann auch schiefgehen
Nate ist die vielleicht ehrlichste Figur der Serie. Ted fördert ihn, macht ihn zum Co-Trainer – und Nate wendet sich gegen ihn und wechselt zum Rivalen. Anerkennung allein hat sein Selbstbild nicht stabil gemacht. Erst viel später findet er zurück.
Das wirft ehrliche Fragen für die Personalentwicklung auf: Begleiten wir Menschen auch dann, wenn sie schnell aufsteigen? Und merken wir, wenn Ermutigung in Druck umschlägt?
7. Kultur ist Kontext
Dass ich die Serie auf Englisch nicht verstanden habe, finde ich inzwischen fast die schönste Pointe. Ted ist selbst der Fremde in England. Er versteht die Sprache, aber nicht immer die Kultur – und bleibt trotzdem neugierig. In meinen Jahren in den USA und in Brasilien habe ich genau das erlebt: Dieselbe Botschaft kommt in einer anderen Kultur ganz anders an. Führung braucht Übersetzung.
Und Captain Picard?
Die Serie, die meinen Führungsstil am meisten geprägt hat, war in meiner Studienzeit Star Trek: The Next Generation (externer Link, öffnet in neuem Tab) mit Captain Jean-Luc Picard. Er führte über Wissen und über ein Team, dem er vertraute. Ted Lasso ist lauter, bunter, lustiger. Aber im Kern teilen beide etwas: Sie hören zuerst zu und trauen ihren Leuten mehr zu, als die sich selbst zutrauen.
Info: Leider ist der britische Schauspieler Sir Patrick Stewart (externer Link, öffnet in neuem Tab) jetzt gerade am 28.10.2026 verstorben.
Meine Empfehlung
Schau dir Ted Lasso an. Und wenn dir der britische Humor auf Englisch schwerfällt: Schau auf Deutsch, so wie ich. Schau mit der Brille einer Führungskraft. Frag dich bei den verschiedenen Szenen: Wie hätte ich hier reagiert?
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Hier der Link zu Ted Lasso bei AppleTV (externer Link, öffnet in neuem Tab)
Vor- und Nachteile des Ted-Lasso-Stils
Teds Stil stärkt Vertrauen und Potenzial, setzt aber Echtheit, Ausdauer und klare Grenzen voraus.
Vorteile
- Entdeckt Potenzial bei Menschen, die sonst übersehen werden.
- Schafft psychologische Sicherheit: Fehler und schlechte Nachrichten kommen auf den Tisch.
- Trägt durch Krisen, weil Zuversicht von innen statt von Erfolgen abhängt.
- Verbindet Wärme mit Konsequenz und wirkt dadurch glaubwürdig.
Nachteile und Risiken
- Kann als naiv oder weich wahrgenommen werden, bevor erste Ergebnisse da sind.
- Braucht Zeit; in der Serie verliert Ted lange viele Spiele.
- Hohe emotionale Last für die Führungskraft selbst (siehe Panikattacken).
- Förderung ohne Begleitung kann kippen, wie bei Nate.
- Nicht kopierbar: Wer Teds Folksiness imitiert, wirkt unecht. Übertragbar sind die Haltungen, nicht der Ton.
Und jetzt bin ich neugierig: Welcher Moment aus Ted Lasso ist dir in Erinnerung geblieben? Hast Du Hinweise / Kommentare? Sehr gerne. Bitte gehe hierzu zu dem LinkendIn Post (externer Link, öffnet in neuem Tab).
Freue mich über einen Austausch zu den Themen.
Dr. Peter von Wartenberg (10.26)
VON WARTENBERG LEADERSHIP – Learn to Serve & Protect
